Presse

Nacht der Predigt mit Thomas Thieme

"...Er stellte ebenfalls den Kontakt zur Musikerin her. „Ich wollte der Predigt etwas entgegensetzen. Es sollte nicht einfach die Orgel sein wie sonst im Gottesdienst.“ Die Idee vom „experimentellen Saxofon“ hatte er bereits im Kopf, als er im Internet auf Claudia Tesorino stieß. Die Berlinerin bekam von ihm den Auftrag, sowohl Musikliteratur zu spielen als auch zu improvisieren, „frech und frei“ alle Facetten des Raumes und auch ihres Könnens auszunutzen, so der Fambacher Pfarrer. Darin stand sie Thomas Thieme in nichts nach..."

Auszug der Kritik zur Nacht der Predigt Schmalkalden von Milina Reichardt-Hahn

Kulturblog Wohnzimmerkonzert

III. WOHNZIMMERKONZERT im Rathaus Schöneberg
Unterhaltung an der Grenze
Ein Treffen zwischen Instrumenten, Sprache und Bildern
mit Claudia Tesorino und Annegret Suaudeau.

Mehr Information über das Projekt:

Zum Artikel/Fotos

Konzert - Kritik

Improvisationen mit Orgel und Saxophon
Das Duo Claudia Tesorino und Armin Thalheim konzertiert in Kirchzarten.
Zwei Ausnahmemusiker in kongenialem Zusammenspiel: Claudia Tesorino und Armin Thalheim beim Konzert in Kirchzarten

KIRCHZARTEN. Die Evangelische Kirchengemeinde Kirchzarten hatte das Duo Claudia Tesorino (Saxophon) und Armin Thalheim (Orgel) zum Konzert in ihr Gemeindezentrum geladen. Musikinteressierte durften gespannt sein, was diese nicht eben häufig anzutreffende instrumentale Besetzung zu bieten hatte.

Claudia Tesorino, Deutsch-­Kanadierin mit Wurzeln aus Kindheitstagen in Freiburg und dem mittlerweile italianisierten Geburtsnamen Schätzle, ist seit Jahren als Solistin und gefragte Orchestermusikerin in zahlreichen Ländern unterwegs. Ihre Konzerte wurden mehrfach von verschiedenen Radio-­ und TV-­Stationen übertragen. Ihr Repertoire reicht von barocken Bearbeitungen für ihr Instrument über zeitgenössische Kompositionen bis zu Jazz und freier Improvisation.

Armin Thalheim hat ebenfalls als Solist und Kammermusikpartner ganz Europa, Indien, Japan und Südamerika bereist und viele Jahre die Fächer Cembalo und Improvisation an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin und der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig unterrichtet.
Die beiden eröffneten ihre bunte Programmmischung mit einer Sonate von Georg Philipp Telemann in einer Bearbeitung von Jean-­Marie Londeix. In den je zwei langsamen und schnellen Sätzen brillierte das Duo in der Siciliana und im Andante mit getragener, nachdenklich melodischer Melodieführung, um im Kontrast im Spirituoso und Vivace barocke Spritzigkeit zu demonstrieren. Leider offenbarte schon hier die Orgel ihren eingeschränkten Spielraum, welcher der Virtuosität Thalheims manch objektive Grenze setzte.

Es folgte mit Toccata, Adagio und Fuge op. 19 für Sopransaxophon und Orgel eine Eigenkomposition von Thalheim. Der Titel war erklärtermaßen von Bach entlehnt und das Stück begann mit einer barocken, jedoch jazzigen Intro. Das auf und um zwei Töne basierende Thema kehrte immer variiert wieder, das Adagio entwickelte sich zum Choral und fand in der Fuge ein grooviges Ende.

Dann die erste Improvisation. Das Publikum sollte Begriffe nennen, auf deren Grundlage die beiden testen wollten, "was Raum und Orgel so hergeben". Inspiriert von den genannten Wörtern "Regen, Herbst, blauer Himmel" zauberten die beiden ein Klangerlebnis, das vom warm perlenden Getröpfel bis zur Orkanböe alle Niederschlagsformen musikalisch erscheinen ließ, um in langgezogenen Tönen einen azurblauen Meereshorizont entstehen zu lassen.

Thalheim zeigte dann sein Können als Solist beim Präludium D-­Dur für Orgel Wq 70 von Carl Philipp Emanuel Bach, dem zweitältesten Sohn des großen Barockmeisters. Das kurzweilig kontrastreiche Stück war dessen einzige Komposition für Orgel mit Pedaleinsatz, denn er schrieb sonst nur für Hammerklavier oder Cembalo. Die nächste Improvisation fußte auf Begriffen wie "Kornfeld und Sternenhimmel": Ausladende Ährenfelder waberten in melodischen Schlangen im Wind, und die Millionen Sterne der Milchstraße glitzerten in gezupften Tonperlen. Dann eine Burlesque des wenig bekannten zeitgenössischen Schweizer Komponisten Urs Flück für Altsaxophon und Orgel. Wäre nicht im Mittelteil ein langsamer Blues eingearbeitet gewesen, hätte man das ganze Stück über lustig seilspringende Kinder sehen können. Die dritte Improvisation reklamierten die beiden Künstler als "Spaßnummer" für sich. Ohne jede Absprache und noch nicht einmal mit Blickkontakt, nur aufeinander hörend und sich ergänzend oder provozierend, schenkten die beiden dem begeisterten Publikum eine extraordinäre Klangerfahrung. Solcherart funktioniert ein improvisatorisches Zusammenspiel nur bei ausgemachten Könnern.

Für den krönenden Abschluss des mitreißenden Abends wählten Tesorino und Thalheim zwei bearbeitete Tangos der Bandoneon-­Legende Astor Piazzolla. Ein musikalisches Blütenmeer, das dem nasskalten Hundewetter am Sonntagabend locker die Stirn bot.

CD - Kritik

Dawning Together

Claudia Tesorino - Saxophon/Armin Thalheim – Orgel

Label: Klanglogo

Bestellnummer: KL1410

 

Wenn zwei Klassikmusiker gemeinsam improvisieren, ist das selten genug. Wenn es so hervorragend klappt wie bei der Saxofonistin Claudia Tesorino und dem Organisten Armin Thalheim darf man getrost von einer außergewöhnlichen Produktion sprechen.

Die Aufnahme entstand in der Kirche des Evangelischen Johannesstifts in Berlin-Spandau unter Livebedingungen und mit der nicht zu halligen, aber auch nicht zu trockenen, also insgesamt sehr feinen Akustik dieses Gotteshauses. Nachträgliche Klangbearbeitung fand nicht statt; die 13 Tracks der CD stellen eine Auswahl der Stücke dar, die das Duo spielte.

 

Tesorino und Thalheim improvisieren ohne große Absprachen, sozusagen ohne Netz und doppelten Boden, und so erkunden sie ein Terrain irgendwo zwischen Klassik, Jazz und Ambient, in dem der Hörer, der sie dabei begleitet, seine geistige Isomatte auslegen und sich in entspannende, meditative Stimmung versetzen lassen kann.

Dass das Duo bei seinen Klangspaziergängen nicht ins unverbindliche New-Age-Gesäusel abdriftet, ist ein Segen - hier sind zwei Könner am Werk. Und so staunt man darüber, wie einfühlsam Thalheim mit seiner Orgel den Gesang von Sopran- oder Altsaxofon beantwortet, ohne der Versuchung zu erliegen, einfach mal Wind zu machen und ein paar Register mehr zu ziehen. Und man freut sich am lyrischen, introvertierten Ton der Saxofonistin, die emotionale Akzente wohl dosiert und damit umso wirkungsvoller setzt.

Manfred Gillig-Degrave

Quelle: musikwoche.de